Das Ende der Welt

Apokalypse-Stimmung wohin man sich wendet. Nur mein REWE um die Ecke ist noch „jeden Tag ein bisschen besser“. Jede Woche aufs Neue wird uns das Ende der Welt prophezeit: Das u.s.-amerikanische Zeitalter sei mit Trump vorbei, die EU sei mit dem Brexit Geschichte, der Klimawandel werde unsere Welt zerstören. 

Der Narzissmus, der darin enthalten ist, die heimliche Freude, schreit uns in den Medien an: Sie sagen uns, was wir wissen wollen: Wir seien die letzten (noch?) glücklichen Menschen. Weltuntergangsfilme waren schon immer hoch im Kurs. Heute gibt es sie überall umsonst.

 

„Where everything is bad

it must be good

to know the worst“

- Francis Herbert Bradley (30 January 1846 - 18 September 1924) 

 

Natürlich ist das nicht wahr. In der Empörung über einen Zustand wohnt schon der Wille zur Veränderung inne. In der Empörung liegt schon die Wende, liegt schon der veränderte Zustand, fehlt schon der Grund zur Empörung. Doch viel zu schön ist die Weltangst. Viel zu gemütlich die Vorstellung, man würde nach seinem Tod sowieso nichts Gutes verpassen: „Mit mir endet die Welt“.  

 

In Wahrheit endet mit mir nur meine Welt. Wann kommt sie denn völlig an, die Krise? „Niemals!“ ist die Antwort von Ulrich Beck (er Ruhe in Frieden) und damit hat er hoffentlich Recht. Die Krise wird antizipiert, damit sie nicht eintritt. 

 

Natürlich passiert Schreckliches, natürlich ist immer Schreckliches passiert. Was wären wir ohne Schreckliches? Arme Wesen ohne Aufgaben! Der Planet dreht sich weiter und der nächste Präsident kommt. Nur eines kommt nicht: Die Apokalypse, das absolute Ende der Welt. So schön die Vorstellung auch sein mag, nach seinem Tode nichts zu verpassen.

 

Müde klatscht es aus der Regie. „Bravo. Toll. Aber was sind daraus die Konsequenzen? Sollen wir jetzt alle happy sein, dass wir jeden Tag was zu beißen haben, wie die Esel?“ 

Die Antwort lautet: Ji-ah! Und das ist auch noch jeden Tag ein bisschen besser. 

Das Ende der Welt - Art W. Krüger