Aktuell


 

Prothese Magazin 4

Unterhaltung

 

Endlich ist unsere vierte Ausgabe da!



„415 ist mein Name im Knast“ – Der Fall und Aufstieg des Bonner Rappers Xatar

Im neuen Film „Rheingold“ erzählt Fatih Akin die Geschichte des Rappers Xatar. Eine Rezension.

von Paul Weinheimer

 

2012 sollte nicht nur unser letztes Schuljahr werden, es war auch das Erscheinungsjahr des neuen Xatar-Albums 415. Xatar, ein Bonner Straßenrapper, der wegen eines verurteilten Goldraubs im Gefängnis saß, hatte das besagte Album während seiner Haftzeit aufgenommen. Als Titel wählte er passenderweise seine Gefangenennummer 415. Wir, junge Heranwachsende, und ebenfalls Bonner waren in seinen Bann gezogen. Mit leuchtenden Augen standen wir auf dem Schulhof beisammen. Der Asphalt reflektierte die Hitze. Vor uns der Mitschüler, der zehn verpackte CDs zur Hälfte des Ladenpreises im Angebot hatte. Peinliche Nachfragen verkniffen wir uns, denn irgendwie wollte man ja auch „Straße sein“. Von dem neu erworbenen Album starrte uns der missmutig dreinblickende Xatar entgegen. Tätererkennungsbilder, Fingerabdrücke und das verhängte Strafmaß zierten das Cover. Das Album sah aus wie eine Strafakte.

Schlagzeile von 2010 im Kölner Express.
Schlagzeile von 2010 im Kölner Express.

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Freie Köpfe – Beobachtungen aus dem Iran

von Zarbanou Zamani*

 

Abflughalle Frankfurt/Main. Die Schlange vor dem Schalter der staatlichen Fluglinie IranAir ist lang. Gespannt schaue ich mich um. Männer und Frauen mit scheinbar operierten Nasen, gefärbten Haaren und Trolleys voller Koffer. Ein paar Stunden später, nach der Landung unseres Fliegers in Teheran, werden die Haare der Frauen nicht mehr zu sehen sein. Spätestens mit dem Anflug der Hauptstadt der Islamischen Republik Iran werden die Frauen in ihren Taschen kramen, um das Kopftuch und den Manto (eine Art Mantel, der die Hüften bedecken soll) hervorzuholen. Weibliche Haare und Hüften sind etwas, was in der iranischen Öffentlichkeit nach Vorstellung des Regimes nicht sichtbar sein darf.

 "Women only", von Zarbanou Zamani*, 2018.
"Women only", von Zarbanou Zamani*, 2018.

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Klimaprotest gegen den Impressionismus?

Über Empörungen, Gewaltlosigkeit und die Ästhetik des Radikalen

von Fabian Endemann

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich der französische Impressionismus als Avantgarde der Moderne. Keineswegs unumstritten hatten sich die „Impressionisten“ mit einer neuen Motivwahl und Arbeitstechnik hervorgetan. Es war Claude Monet, der seine Freunde anhielt es ihm gleich zu tun, das Studio zu verlassen und in der freien Natur oder inmitten des wirklichen Lebens zu malen.‍[1] Die kritische Öffentlichkeit war darüber empört. Sie lehnte die scheinbar unvollendete und amateurhafte Ästhetik ab und musste doch nach nicht allzu langer Zeit einsehen, dass sie irrte und sich das ästhetische Bewusstsein geändert hatte. Seitdem – so die gängige Erzählung – symbolisiere der Impressionismus den Kampf gegen die Verkennung des Neuen.[2]

"Die letzte Generation" bei ihrer Protestaktion.
"Die letzte Generation" bei ihrer Protestaktion.

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Odysseus hätte eine Maske getragen

Ein Kommentar zum Podcast „Die sogenannte Gegenwart“

von Paul Weinheimer

 

Was für die einen eine sakrale Errungenschaft darstellt, ist für die anderen das neue Symbol gesellschaftlicher Unfreiheit: Die Corona-Maske führt seit dem Beginn der Pandemie zu einer Polarisierung. Maske, ja oder nein? – das scheint für beide Lager immer schon beantwortet. Ihr Selbstverständnis lässt ihnen keine Wahl mehr. Und so stehen sie sich in einem Kampf gegenüber: Auf der einen Seite die Hohepriester im feinsten Maskenstoff, auf der anderen der widerständige Freiheitskampf, der sich der Maskenschau verweigert. Hier Maskenstolz, da Maskenwut. Während der Maskenstolz durch die moralische Vormachtstellung das „Richtige“ zu tun entsteht, ist die Maskenwut Zeugnis einer Rebellion gegen das staatliche Diktat. 

Klar ist in jedem Fall, dass die Corona-Maske nicht bloß Schutzkleidung ist, sondern auch ein Objekt mit Symbolkraft.

Bearbeitung Bild: Elisabeth Boßerhoff
Bearbeitung Bild: Elisabeth Boßerhoff

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Zur Berechenbarkeit der Zukunft

von Tim Burschyk

 

Der gläserne Mensch. Es ist soweit, der Algorithmus weiß mehr als du. Unser Alltag wird durchsichtig und vorhersagbar. Jedes Smartphone ist ein unermesslicher Datenschatz. Auf der Grundlage unseres täglichen Verhaltens kann statistisch unser zukünftiges Verhalten vorhergesagt werden. Beispiele finden sich überall. Nur, wenn es um Gefühle geht, können die Daten uns Menschen nicht beschreiben. Gefühle sind unberechenbar. Denkst du – bis Parship dir die Liebe deines Lebens vermittelt.

Abb. 1: Langzeitbelichtung eines Doppelpendels
Abb. 1: Langzeitbelichtung eines Doppelpendels

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Dialektik des Reisens

von Art W. Krüger

 

Auf die Frage, weshalb er niemals gereist sei, hatte mein Großvater einmal geantwortet: „Wozu? Das kann ich mir doch im Fernsehen angucken.“ Die Pandemie ist vorbei und abertausende Deutsche drängen wieder in die entferntesten Länder: uniformierte Trackingarmeen überwinden Breitengrad um Breitengrad in überfüllten Flugzeugen der billigsten Airlines.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.

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Über die Selbstpositionierung

von Simon Gumprecht

 

In nicht unbedeutenden Teilen der Sozialforschung, insbesondere in der qualitativen Sozialforschung, gibt es seit einigen Jahrzehnten die Konvention vor einem Forschungsvorhaben eine sogenannte „Selbstpositionierung“ zu schreiben. Hier soll der Forscher seine eigene, vor allem persönliche Perspektive auf das zu Erforschende durchsichtig machen und reflektieren. Das ist freilich ein wissenschaftliches Anliegen. Der Forschungsbericht soll die Forschung nachvollziehbar machen, und die vorausgesetzte Perspektive der Forschung selbst ist offenbar ein integraler Bestandteil dieses Anliegens.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.

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Die Plage der Politischen Philosophie

von Simon Gumprecht

 

Gibt es überhaupt etwas zu sagen? Die internationalen Superstars der Philosophie, die sich in der sogenannten Öffentlichkeit zu Wort melden, haben sich vor allem mit wahlweise Banalitäten oder Absurditäten lächerlich gemacht. Man wird sich an Agamben erinnern, der die gegenwärtige Covid-19 Pandemie mit der gewöhnlichen Grippe verglich, und die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung als thanatische Mobilisierung der Toten diskreditierte.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.

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entre – 'zwischen'

von Catalina Rueda

 

Die Komposition entre 'zwischen' von Catalina Rueda ist in der Prothese #2 (S. 90 – 95) abgedruckt. 

PartitaTROPE

von Tristan Xavier Köster

 

Das Stück Partita TROPE von Tristan Xavier Köster ist in der Prothese #2 (S. 96 – 101) abgedruckt.